m-hmk

  • Bewerbung m-hmk

    Die Hochschule

    Filmstudenten der Münchner m-hmk bei Dreharbeiten am Münchner Hauptbahnhof

    Als Akademie hatte die Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (m-hmk) schon länger Erfahrungen mit Bachelor-Studiengängen, allerdings nicht in eigener Regie, sondern in Kooperation mit einer staatlichen Hochschule, welche die inhaltlichen Vorgaben machte. Besonders im Filmbereich bestand deshalb lange der Wunsch nach einer eigenen Studienordnung und eigenverantwortlichen Studiengängen.

     

    Seit 2006 nun bietet die Hochschule nun eigene staatlich anerkannte Studiengänge Film & Fernsehen in den Fachrichtungen Regie, Kamera und Postproduktion in Köln und in München an. Dieser Artikel bezieht sich konkret auf den Standort München, gilt aber grundsätzlich genauso für den Film- und Fernsehstudiengang in Köln. Für die Akkreditierung durch das bayerische Kultusministerium wurde eine der modernsten Studienordnungen in diesem Bereich entwickelt - keine schlechte Grundlage in einem durch immer neue technische und gestalterische Entwicklungen mitgeprägten Studiengang. Interessanterweise trennt die m-hmk bei der Lehre nicht in Spielfilm und Dokumentarfilm, sondern betrachtet das Medium Film ganzheitlich und die gestalterische Form in Abhängigkeit von den Möglichkeiten und Gegebenheiten. Das Credo des Studiengangsleiters: Die ursächlich dem Dokumentarfilm eigene Recherche hilft, auch Spielfilmdrehbücher wahrhaftiger und intensiver auszugestalten. Und das dramaturgische Wissen aus dem Spielfilm hilft, Dokumentarfilme interessanter und emotionaler zu machen.

     

    Kontaktaufnahme

    Regie- und Kameraübung der m-hmk-Studenten

    Die Studienberatung der m-hmk bietet regelmäßig Infoveranstaltungen, Open Classrooms und Special-Days an, bei denen man sich genauer über die Studiengänge informieren kann. Dazu gehören auch Führungen durch die umfangreichen Einrichtungen der Hochschule. Das Gebäude befindet sich unmittelbar neben der Theresienwiese und ist durch eine Drehtür zu betreten. Studentensekretariat und Studienberatung sind im ersten Stock, die Studiengangsleitung Film und Fernsehen im zweiten Stock. Im dritten Stock finden sich vor allem Schneideräume mit neuesten Mac-Pro-Rechnern, Avid Media Composern, Final CuPro, Tonschneideräume mit ProTools, MAZ-Räume, Tonaufnahmekabine sowie ein Fernsehstudio.

     

    Am Haus gibt es übrigens auch die Studiengänge Medienmanagement, Journalismus und Mediendesign, was ganz praktisch ist, weil die Studierenden aus den verschiedenen Fachbereichen sich auf diese Weise bei ihren Projekten ergänzen können. Die Mediendesigner können für die Filmstudenten hochwertige Titel, Tricks und Animationen herstellen, die Medienmanager bei der Produktion der Übungsfilme helfen. Und natürlich helfen die Filmstudenten den anderen Studienrichtungen auch mit ihren Fähigkeiten.

     

    Ausstattung

    Technisch hat die m-hmk in den letzten Jahren enorm aufgerüstet. Im Kamerabereich sind von Super 16 Aaton XTR über drei HVX 200, fünf Canon-HDV-Kameras, auch klassische EB-Kameras in DVCAM, DVCPRO und Beta SP verfügbar. Eine große Steadicam sowie ein Husky-Dolly und Schienen runden das Equipment ab. An Licht sind von kleinsten Dedo-Lights über 4,8 und 12 Bank Fluorezenzlicht bis hin zu 4 KW Arri-Daylight alle Größen vorhanden und auch im Ton sieht es sehr gut aus. Hier sind professionelle Mikes, Korbwindschütze und digitale Rekorder im Einsatz. Um selbst auf Equipment, welches nicht im Hause verfügbar ist, schulen zu können (etwa große Kamerakräne, 35mm-Kameras etc.) arbeitet die m-hmk mit externen Dienstleistern zusammen.

     

    Dozenten

    Neben den festen Professoren vermitteln zahlreiche Profis aus der Film- und Fernsehbranche den Studierenden das nötige Know-how und die erforderliche Theorie, um möglichst rasch eigene Filme verwirklichen zu können. Bei den ersten Projekten sind zudem Profis als Betreuer dabei, um die ersten filmischen Schritte zu unterstützen. Was die m-hmk von anderen Filmhochschulen unterscheidet: Die Professoren sind ansprechbar, man muss nicht auf irgendwelche Sprechstunden warten, der Kontakt ist direkt und man erlebt die Profs auch in zahlreichen Vorlesungen. Zudem finden zahlreiche Dramaturgie-Besprechungen statt, um die eigenen Drehbuchentwürfe der Studierenden für die Drehs zu optimieren.

     

    Bewerbung

    Dreharbeiten zu Saitenwechsel, Übungsfilm 1 des Jahrgangs FF07

    Die Bewerbung an der m-hmk läuft mehrstufig ab. Für den Studiengang Film & Fernsehen ist ein 90-minütiger schriftlicher Test abzulegen, in dem sowohl Allgemein- als auch Fachwissen abgefragt wird. Ferner muss eine Bilderserie (10 Bilder) zu einem gegebenen Thema abgeliefert werden. Die Ausführung ist frei, man kann also auch Zeichnungen oder Fotos abgeben. Außerdem kann man seine Begabung zusätzlich durch freie Arbeiten, die man der Bewerbung beifügt, belegen.

     

    Die Bewerbungen werden nicht zentral zu einem festen Termin abgegeben, sondern laufend bis zum Ende der Aufnahmefrist. Ein Vorteil, bekommt man doch relativ schnell Bescheid, ob man aufgenommen wurde. Auch sind die Bewerberzahlen niedriger als an den staatlichen Filmhochschulen, die Chancen, aufgenommen zu werden sind dadurch besser. Das Studium dauert sechs Semester, das fünfte ist ein Praktikums-Semester mit Online-Begleitstudium. Gasthörer sind leider nicht zugelassen, dafür sind die Gruppen, in denen gelehrt und gearbeitet wird, zu klein.

     

    Studenten

    Wer Bachelor-Studiengänge nicht kennt, für den sind die straff organisierten 8-Stunden-Tage vielleicht ungewohnt. Aber anders kann man den vielen Stoff, den es braucht, um hochwertige Filme drehen zu können, nicht vermitteln. Auch die Klausuren und Projektarbeiten haben es durchaus in sich, aber nur wer wirklich etwas will, kann sich auch später in der Medienbranche verwirklichen. Auch die vielen Übungsprojekte fordern jede Menge Energie, Fantasie und Einsatz, manchmal auch abends und an Wochenenden. Ihre Filme präsentieren die Studierenden regelmäßig in Münchner Kinos, etwa dem Neuen Arena oder dem Rio Kino. Außerdem waren etwa Kinospots für "Hallo, München" oder "Sicher Wiesn" in zahlreichen Münchner Kinos im Einsatz, ein Spot für den BUND-Naturschutz ist demnächst zu sehen.

     

    Der Studiengang ist jung, die ersten Abschlussfilme gab es Ende 2009 zu sehen, inzwischen gab es diverse Festivalpreise und Ausstrahlungen im Fernsehen, etwa bei arte und im Bayerischen Fernsehen. Und weil sich die Studierenden so "reinhängen" sind auch viele Absolventen bereits in der Branche angekommen. Es hat sich herumgesprochen, was die m-hmk- Filmstudenten so alles drauf haben.

     

  • Drehseminar m-hmk

    Hart an der Praxis

    Einige Requisiten, die dazu beitragen sollen, das Set, die Wohnung vom menschenscheuen Vermieter Gäberle glaubwürdig auszustatten

    Ein für Film- und Fernsehstudiengänge ungewöhnliches Konzept verwirklichen die Studierenden des Studiengangs Film und Fernsehen der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (m-hmk) in München.

    Da werden nun bereits zum zweiten Mal seit 2007 mehrere Seminare der Fachrichtungen Kamera und Regie zusammengeworfen und statt theorielastig in der Hochschule, unter professionellen Bedingungen und dicht an der Praxis "On Location" durchgeführt.

    Dabei sind die Professoren über zwei Wochen lang selbst vor Ort, was für die Hochschullandschaft sehr ungewöhnlich ist und begleiten die Studierenden im Arbeitsprozess.

    Die verschiedenen Arbeitsschritte des Seminars werden als Fortsetzungsreihe an dieser Stelle vorgestellt.

     

    Vorbereitung

    Schon der Vorlauf stellt für die Studierenden eine besondere Herausforderung dar. Knapp 2 Wochen vor dem ersten Drehtag bekommen sie ein nur in Teilen fertiges, noch unverfilmtes Drehbuch zu einem abendfüllenden Spielfilm in die Hände, aus dem die Regie-Studenten etwa 10 Szenen auswählen.

    Handouts mit wichtigen Grundregeln zur Vorbereitung geben den Studierenden ein größeres Päckchen Aufgaben an die Hand. Kreative Hausaufgaben quasi.

     

    Buchbesprechungen

    Möbel und Requisiten für die Wohnräume des einsamen und kontaktarmen Hausbesitzers Gäberle (so das Drehbuch) wurden von den Studenten zusammengetragen und warten darauf, die Räume zu vollenden.

    Es ist fester Bestandteil des Regieseminars, dass jeweils der/die Regisseur-in seine / ihre Szene inhaltlich und dramaturgisch optimiert. Das Buch ist bewusst in einem unfertigen Zustand, keine gesetzte unveränderbare Vorlage, sondern gestaltbar.

    Nur wer zu seiner Szene einen straffen Fragenkatalog zu den Filmfiguren beantworten kann, wer sich traut, Abläufe, Dialoge für den optimalen Ablauf der Szene von dem Einstieg bis zu Höhepunkt und Ende hin zu optimieren, zu kürzen und ggf. umzuschreiben, schafft sich die bestmögliche Grundlage für die spätere Umsetzung.

    Was ist vor der jeweiligen Szene geschehen? In welchem emotionalen Zustand befindet sich die Filmfigur zu Beginn der Szene? Was will sie in der Szene erreichen? Kernfragen, die Schauspieler zu ihren Rollen und Szenen stellen werden, müssen die Regiestudenten im Vorfeld beantworten können.

    Nach der Regiebesprechung geht es zum Kamera-Professor, werden die gefundenen emotionalen und dramaturgischen  Entwicklungen in Bildsprache umgesetzt. Floorplan und Auflösung werden erstellt, Equipment und Ausleuchtung besprochen.

     

    Vorbereitungen

    Start der Ausstattungsarbeit in der leerstehenden Wohnung. So weiß dürfen die Räume auf keinen Fall bleiben. Kamerastudenten wählen gemeinsam mit Professor Leuthner (Kamera) die richtigen Farben für die Wände aus

    Parallel dazu müssen eine Vielzahl organisatorischer Aufgaben geleistet werden, die weitgehend von den Kamera- und Regiestudenten bewältigt werden müssen. Ihre Postpro-Kollegen haben zur gleichen Zeit Seminare in fortgeschrittenem Editing, sie können nur bedingt helfen. Drehpläne müssen erstellt, Drehorte müssen organisiert, Genehmigungen eingeholt und Schauspieler gecastet werden. Catering, Maskenbild wollen geplant sein und all das ohne Gagen zahlen zu können.

    Bei allen organisatorischen Fragen steht die Herstellungsleiterin der Hochschule, Doris Wedemeier, beratend zur Seite. Gleichzeitig macht sie "Dampf", die Tage bis zum Drehbeginn werden immer weniger. Bereits jetzt sind aus den sonst üblichen 8 X 45 Minuten Unterricht am Tag Arbeitszeiten geworden, wie sie auch bei Profidrehs üblich sind. Ein ständiges Auf- und Ab aus Zusagen und Absagen, aus gefundenen Lösungen und brennenden Problemen hält die Studierenden in Atem.

    Ein zentraler Google-Kalender, auf den das ganze Team zugreifen kann, sowie zahlreiche Dispos und Pläne werden per Mail an alle Beteiligten versandt.

     

    Location

    Farbtest- die Gesichter der Schauspieler müssen sich gut abheben und die Farbstimmung soll zu der Szene passen

    Leerstehende Gebäude, die grundsaniert werden, dürfen die Studierenden für einen Teil der Innen-Szenen verwenden. Solche Gebäude haben den Vorteil, dass man nach dem Dreh nicht wieder alles zurückbauen muss. Doch um die gewünschte filmische Aussage treffen zu können, müssen die kahlen Räume erst angestrichen und eingerichtet werden. Speziell die Kamera-Studenten wissen, dass weiße Wände tödlich sind, um Schauspieler und Räume sinnvoll ausleuchten zu können.

    Wer Filme bewusst daraufhin anschaut, wird bemerken, dass die Wände meistens in eher gedeckten, dunkleren Farbtönen gestrichen sind. Das entspricht zwar nicht dem Durchschnitt hiesiger Wohnungen, verhindert aber dass Gesichter sich im weißen Hintergrund verlieren, und dass sich das Scheinwerferlicht wegen der reflektierenden Wände und Decken schlecht steuern lässt.

    Um auch verschiedene Stimmungen herstellen zu können, wird der eine Raum mit einem eher grünlichen Grau, der zweite mit einem mehr rötlichen Grau gestaltet.

    Zwei Wohnungen im Erdgeschoss, eine als Aufenthaltsraum, die andere als Set, stehen zur Verfügung. Das erlaubt, von Außen durch die Fenster kräftige HMI Scheinwerfer einsetzen zu können. Ein nicht ganz unwichtiges Problem: Es wird Strom gebraucht, das Haus aber vorerst vom Netzt abgeklemmt. Für die Scheinwerfer, aber vor allem auch für ein paar Öfen (unbeheizte Gebäude sind schlimmer als Kühlschränke...) wird dringend Strom benötigt. Zieht Euch warm an, es wird kalt am Set...

     

    Kurz vor Drehbeginn

    Das letzte Wochenende vor Drehbeginn. Trotz Feiertag und Wochenende finden sich die Studierenden und die Professoren am Samstagmorgen am Set ein, um die Ausstattung durchzusprechen und vorzunehmen.

  • Drehseminar mhmk 09

    Drehworkshop, die Dritte

    Hauptdarstellerin Serpil Demirel in einer Szene im Treppenhaus

    Hauptdarstellerin Serpil Demirel in einer Szene im Treppenhaus

    Der zweiwöchige Drehworkshop on Location mit Professoren, eine feste Einrichtung des Studiengangs "Film & Fernsehen" an der mhmk, findet 2009 zum dritten Male statt. Ungewöhnlich daran ist, dass aus mehreren Seminaren, die andernorts im Hörsaal stattfinden würden, zwei intensive Drehwochen mit den Dozenten an Originalmotiven geworden sind. 

     

    Die Szenen, die sich die Studierenden ausgewählt haben, sind teilweise die Gleichen, teilweise auch andere als jene, die von den früheren Drittsemestern umgesetzt wurden.

     

    Und natürlich wird an einem neuen Motiv gedreht und mit neu gecasteten Hauptdarstellern, die sich freundlicherweise bereit erklärt haben, gemeinsam mit den Studierenden Filmszenen unter professionellen Bedingungen gemeinsam zu erarbeiten.

     

    Doris Wedemeier, Herstellungsleiterein an der mhmk, hat die Drehgenehmigungen eingeholt und mit den Studierenden die Vorplanung erarbeitet.

     

    Gedreht wird weitgehend in DVCPRO HD in 1080i und teilweise parallel auch auf Kodak-Super-16-Material mit der hochschuleigenen Aaton XTR Prod und Zeiss-High-Speed-Optiken. Kodak und Arri unterstützen den Drehworkshop der Studierenden mit Rohfilm sowie Entwicklung und Abtastung des Materials. Mit dabei sind jede Menge Licht- und Ton-Equipment, Schienen, Pather Dolly und ein Jib-Arm.

     

    Bereits im Vorfeld wurden Schauspieler gecastet, die ideal auf die Rollen passen und Lust darauf haben, mit den Studierenden gemeinsam an den Filmszenen zu arbeiten.

     

    Das Schwerste zuerst...

    Auflösungsbesprechung im Aufenthaltsraum: Die Studierenden aus den Departments Regie, Regieassistenz und Kamera beraten sich mit einem der beiden Dozenten, Max Plettau.

    Auflösungsbesprechung im Aufenthaltsraum: Die Studierenden aus den Departments Regie, Regieassistenz und Kamera beraten sich mit einem der beiden Dozenten, Max Plettau.

     

    Gleich der erste Drehtag sollte eine besonders schwierige Herausforderung für die Kamera bringen, die aber nicht filmsprachlich fordernd war, sondern vor allem helfen sollte, die Enge des kleinen Treppenhauses zu überwinden. Auf nur wenigen Quadratmetern zweigen ganze vier Wohnungen ab; auf dieser kleinen Fläche muss laut Drehbuch eine ganze Menge geschehen. Hier wird einem schmerzlich klar, warum Filmteams großzügige Altbauten der Enge des sozialen Wohnungsbaus der 60er, 70er Jahre vorziehen.

     

    Eine geschickte Kombination aus Schienenrückfahrt und Seitenbewegung des Jib-Armes auf dem Dolly sollte die nicht vorhandene diagonale Rückfahrmöglichkeit doch möglich machen. Stunden des Umbauens und Erprobens, auf engstem Raum am Türrahmen mit Kamera und Jib-Arm vorbei zu kommen, endeten letztlich in einem Aufnahmewinkel, der die wichtigsten Figuren der Szene ungünstig ins Bild setzte.

     

    Dies herauszufinden dauerte ein wenig, doch da die Hauptdarstellerin der Szene ohnehin erst um 14 Uhr am Drehort war, beeinflusste dies den Drehverlauf nicht. Außerdem konnte sich so das Team schon mal ein wenig "aufwärmen". Dabei werden vor allem auch geregelte Abläufe und Kommandos einstudiert und Aufgabenverteilungen präzisiert. 

     

    Einige der Kamerastudenten neigen dazu, alles selbst machen zu wollen, dabei ist ein Set viel effizienter, wenn man Aufgaben auch deligiert. Alle im Team sind motiviert, aber die genaue Steuerung der Aktivitäten will gelernt sein. Die Verteilung der Aufgabengebiete ist wichtige Voraussetzung effektiven Arbeitens. Einmal mehr wird deutlich, dass "Allrounder", die am liebsten alles selbst erledigen wollen das erst lernen müssen. 

     

    Kalte Häuser...

    Kamerastudent Moritz Rautenberg bereitet die Aaton XTR Prod für den Einsatz vor.

    Kamerastudent Moritz Rautenberg bereitet die Aaton XTR Prod für den Einsatz vor.

     

    Der Drehort - einmal mehr ein Renovierungshaus, diesmal im Westend - bietet ideale Voraussetzungen, um nach Lust und Laune die Räume zu gestalten. Ein kleiner Wermutstropfen war dennoch zu beklagen: Einen Tag vor Beginn des Seminars wurden von Bauarbeitern sämtliche Sanitärräume abgerissen. Aus diesem Grunde verliert das Team viel Zeit, nur um die Ersatztoiletten, vier Häuserblocks und zehn Gehminuten weiter, zu erreichen. 

     

    Und auch zum Essen müssen alle zu dem entfernten Gebäude in den Aufenthaltsraum. Wie so oft, sind es ein paar Wenige, die sich schon am Wochenende vor dem Drehbeginn einfinden, und Aufenthaltsraum, Toilette und Küche so herrichten, dass ein Team sich dort aufwärmen und dort essen kann.

     

    Leerstehende Gebäude sind vor allem eines: kalt. Unbeheizt fressen sich Feuchte und Kälte in die Mauern ein, weshalb das Team in den Räumen gekleidet ist, als würde auf einem winterlichen Feld außen gedreht. Besonders schwer ist es für die Schauspieler, wenn sie in manchen Szenen gar leicht gekleidet sein sollen. Das Team bemüht sich, die Schauspieler immer wieder wenn nicht gedreht wird, in warme Sachen zu hüllen.

     

    Zum Glück ist noch Strom auf den Leitungen, so kann wenigstens mit Scheinwerfern geleuchtet werden. Allerdings nur Haushaltsstrom, kein Starkstrom. Das limitiert die möglichen Scheinwerfer auf maximal 2500 Watt pro Stromkreis.

     

     

    Zweiter Drehtag

    Serpil Demirel (Rolle: Gesa) und Christian Streit (Rolle: Ben), das Führungslicht stammt von einem Dedolight und wird über eine Styroporplatte reflektiert.

    Serpil Demirel (Rolle: Gesa) und Christian Streit (Rolle: Ben), das Führungslicht stammt von einem Dedolight und wird über eine Styroporplatte reflektiert.

     

    Regiestudent Matthias Kahnt setzte mit Kamerastudent Francesco Luggeri auf eine bewegliche Kamera mit Hilfe des FIGG-RIG einem einfachen, aber effektiven Stabilisierungssystem. Rück- oder Seitenfahrten sehen mit dem FIGG RIG erstaunlich ruhig aus. Die Szenen im Schlaf- sowie Wohnzimmer der Hauptfigur Ben sind mit zurückhaltendem, aber effektivem Licht ausgeleuchtet; kleine Einheiten, 200er HMI oder Dedo-Lights kommen zum Einsatz. Dank der reduzierten Technik wird die erste Klappe bereits um 10 Uhr morgens geschlagen. Und auch über den Tag gesehen wird das Pensum, immerhin 12 verschiedene Einstellungen, gut geschafft.

     

    Dabei sind die Szenen teilweise sogar sehr sensibel und gar nicht so einfach für die Schauspieler, diese emotional in all dem Trubel am Set herzustellen. Abends beim obligaten Feedback aller Studierenden mit Prof. Mathias Allary und dem seit vielen Jahren als Dozent an der mhmk tätigen Max Plettau wird auch über die Lautstärke am Set gesprochen, über Organisation, über Ansagen. Wir sind mitten drin im Abenteuer Dreharbeiten und werden von Tag zu Tag routinierter.

     

     

    Dritter Drehtag

     Michael Althauser in der Rolle des vereinsamten Hausbesitzers Gäberle

    Michael Althauser in der Rolle des vereinsamten Hausbesitzers Gäberle

    Die Szenen, bei denen Regiestudentin Stephanie Olthoff für die Umsetzung verantwortlich ist, grenzen unmittelbar an jene an, die am Vortag gedreht wurden. Sie haben also, wie man so schön sagt, "Anschluss". Dafür müssen nicht nur Kostüm und Licht, sondern natürlich auch das Tempo und der Duktus der Schauspieler mit jenen vom Vortag übereinstimmen.

     

    Auch heute ist Francesco an der Kamera, doch an diesem Drehtag wird auf Stativ und Dolly gesetzt. Das Licht im Treppenhaus arbeitet vor allem mit indirekten, über große Styroporplatten gebounctem HMI-Licht, während die Fenster nach draußen im Treppenhaus mit schwarzem Molton abgehängt sind, um unabhängig von Sonnenstand oder Tageszeit drehen zu können.

     

    Die Abläufe am Set sind deutlich konzentrierter und effektiver als an den ersten beiden Tagen, die Ansagen beinhalten genau die richtigen Informationen für das Team: was jetzt gerade geschieht, wie lange man worauf warten muss. Und natürlich auch die Kommandos wie: Drehfertig machen!, Ruhe bitte!, Ton ab!, Klappe! Kamera ab usw.

     

    Obwohl alle Zeichen auf HD und Digital stehen, so überkommt die Studenten trotzdem immer wieder so etwas wie Ehrfurcht, wenn die HVX 200 vom Stativ genommen und statt dessen mit der Aaton Super 16 auf Film gedreht wird. Wer will da behaupten, Film sei tot?

     

  • Drehtag 4

    Steigerungsfähig...

    Die Vorzeichen waren gar nicht günstig für diesen vierten Drehtag der Filmstudenten der m-hmk. Der Regisseur hatte sich die bisher komplizierteste Auflösung von allen einfallen lassen und wollte fast doppelt so viele Einstellungen an einem Tag unterbringen, wie der bisherige Durchschnitt.

    Tonaufnahme

    Tonprobleme, einmal mehr. Der Regie-Professor beim Hörtest. Woher nur stammt das lästige Rauschen, das den ganzen Ton überlagert?

    Seinen Lösungsvorschlag, bereits um 5 Uhr morgens am Set zu erscheinen, lehnten die Anderen aus dem Team rundweg ab. Abgesehen davon hätte es ohnehin erst ab 7:30 Strom gegeben, um Licht zu setzen. Auch die Professoren stehen dem gewünschten Aufwand skeptisch gegenüber.

     

    Enger Zeitplan

    Gleich zu Beginn des Drehtages um 7:30 verteilt der Regisseur einen Szenen- und Zeitplan an das ganze Team in dem die gewünschten Einstellungen und der ungefähre Zeitpunkt ihrer Umsetzung festgehalten sind. Wie mit den Professoren abgestimmt, wird er zunächst alle Einstellungen abdrehen, die zwingend nötig sind, um die Szene erzählen zu können und erst danach die Einstellungen, die seiner Meinung nach die Auflösung bereichern würden.

    Eine weitere Strategie, um die vielen Einstellungen zu schaffen- es wird mit zwei Kameras gleichzeitig gedreht,- eine besondere Herausforderung für Ausstattung und das Licht, schließlich soll es aus zwei verschiedenen, im 45 Grad Winkel versetzten Perspektiven gut aussehen.

    Besonders erschwerend sind mehrere Umschaltvorgänge,- der Drehstrom ist bei einem im Nachbarhaus drehenden TV- Filmteam ausgeliehen. Mehrmals müssen alle Scheinwerfer ausgeschaltet, die Leitungen neu gelegt, die Leistung genau durchgerechnet werden.

    Überprüfung des Bildausschnitts

    Die Kamerafrau überprüft den Bildausschnitt einer der beiden Kameras

    Die Idee mit den zwei HVX 200 gleichzeitig zu drehen, erweist sich als sehr zeitsparend, allerdings muss der Kameramann der zweiten Kamera gleichzeitig auch noch als Oberbeleuchter fungieren, wodurch er eindeutig überbelastet ist. Aber was soll man machen, wenn das Team zu klein ist?

     

    Eingespielt

    Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Departments läuft am vierten Tag noch etwas runder, besonders die Kamera und Regie sind gut vorbereitet. Verbesserungswürdig ist das Handling der Filmklappe. Da der Ton nicht direkt auf die Videokamera, sondern auf einen getrennten Flash-Rekorder (Tascam) aufgezeichnet wird, muss sie geschlagen werden, um den Ton später im Schnitt synchron anlegen zu können.

    Allerdings dauert es immer eine kleine Ewigkeit, bis der Klappen-Schläger aus dem Bild gelaufen, und seine Schritte nicht mehr zu hören sind. Da vergehen gerne auch mal 7-10 Sekunden, ehe die Regie "Bitte" sagen kann. Kostbare Zeit, die, wenn man auf Film drehen würde, richtig teuer wäre.

     

    Tonprobleme

    Außenlicht

    Das Licht der 2,5 KWs welches die Zimmerszene von Außen beleuchtet, wird über einen Frostrahmen gesoftet

    Einmal mehr gibt es Schwierigkeiten mit dem Ton. Da in zwei Räumen gleichzeitig der Ton geangelt werden muss, wird ein Mikrofon per Kabel, das andere Mikrofon per Funkstrecke mit dem Flash-Rekorder verbunden. Leider erzeugt die drahtlose Verbindung ein Rauschen, der auch das saubere Tonsignal was über Kabel kommt, verschlechtert.

    Auch ist die Anpassung der Pegel von Funkempfänger und Mischereingang sehr schwierig. Entweder der Mischer kriegt ein zu schwaches oder ein zu starkes Signal. Die Dämpfungsstufen passen einfach nicht zusammen. Erst als der Sender gegen ein Kabel ausgetauscht wird, verschwindet das lästige Rauschen.

     

    Schauspielführung

    Auch die Arbeit mit den Schauspielern geht flüssig und konzentriert voran. Die Vorgespräche und gründliche Vorbereitung der Regie zeigen Erfolg und es werden über weite Strecken die richtigen Hinweise und Stichworte gegeben.

    Vielleicht könnte man mit den Schauspielern noch mehr an den Möglichkeiten des körperlichen Ausdrucks arbeiten, doch im Großen und Ganzen sind die Ergebnisse absolut stimmig und die Schauspieler fühlen sich sehr gut aufgehoben. Alle spüren,- eine Regie, die weiß, was sie will, kann gezielt und entschlossen arbeiten.

     

    Zeitzonen

    Regie

    So sieht das Licht der 2,5 KW Daylight dann Innen aus.- Regie und Hauptdarsteller bei der Arbeit

    Als einer der beiden Hauptdarsteller aus terminlichen Gründen gehen muss, hängt noch eine der "Extra-Einstellungen" über, in welcher nur der andere Schauspieler vorkommt. Auch wenn es schon längst dunkel ist, vermitteln die HMIs das wohlige Gefühl von Tagesstimmung. Man kann sich vorstellen, weshalb Lichttherapie so positive Wirkungen auf den Menschen hat- die (künstliche) Sonne scheint einfach länger...

    Schienen verlegen, eine Fluoreszenz- Two Bank als Führungslicht, von der anderen Seite ein Reflektor, der das HMI-Lichtwas durch das Fenster scheint, als Aufhellung nutzt und fertig ist der Aufbau. Gedreht wird eine kurze Zufahrt auf das Gesicht des Darstellers, ein "Push In", genau in dem Moment wo er sich in Richtung Kamera umdreht und schaut.

    Ein paar Takes später ist der ersehnte Drehschluss. Gegen 20 Uhr findet die abendliche Schlussbesprechung statt und alle sind sich sicher- das war bisher der beste Tag. Alle wichtigen Einstellungen und die Extras wurden geschafft und das bei guten Ergebnissen. Alle spüren intuitiv, sie können weitaus mehr schaffen, wenn das Set gut organisiert ist und die Vorbereitung stimmt.

    Auch am Wochenende wird gearbeitet, Aufräumarbeiten vom Dreh und- Gespräche über Regie und Auflösung mit den Professoren am Sonntagnachmittag. Denn schon am Montag um 7:30 geht es weiter. Die nächste Drehwoche kann spannend werden- Außendreh auf einem Bahnhof.

  • Drehtag 6

    Veränderte Sonnen-Strategie

    Entgegen der Wettervorhersage scheint auch heute die Sonne. Diesmal wird eine andere Strategie wegen der Sonne angewendet. Die m-hmk Filmstudenten haben ihren vorletzten Drehtag vor sich.

    Da man mit bedecktem Himmel rechnen muss, wird gleich von Anfang an auf diese Lichtart geleuchtet, dass heißt, die gleißende Sonne wird zunächst mit dem großen Butterfly der Hochschule abgemildert.

    Butterfly

    Das hochschuleigene Butterfly wird aufgebaut, um das direkte und harte Sonnenlicht weicher zu machen

    Dabei muss besonders auf eine sichere Aufstellung geachtet werden, so ein Sonnensegel mit ca. 9 qm Fläche ist ein verlockender Angriffspunkt für jede Windböe. Und in der Umgebung von Bahngleisen und Hochspannungsleitungen müssen deshalb extreme Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Dazu werden die Stative des Butterflys zusätzlich mit Seilen verspannt, damit ein sicherer Stand gewährleistet ist.

     

    Schauspielführung

    Eine weitere neue Darstellerin, Gabriele König, spielt mit Ben am Bahnsteig. Gabriele, die eine in Krise befindliche Promoterin spielt, geht analytischer an die Rolle ran und versucht aus den nicht immer sehr konkreten Anweisungen des Regiestudenten verwendbare Hinweise zu filtern.

    Manche Kollegen spüren die leichte Unsicherheit und geben eigene Regieanweisungen,- keine vertrauensbildende Verhaltensweise und bei einem solchen Seminar nicht angesagt. Doch das bleiben zu vernachlässigende Ausnahmen.

    Schauspielerin am Bahnsteig

    Darstellerin Gabriele König muss laut Drehbuch, ihren Koffer auf dem Bahnsteig wieder einräumen

    Der Regiestudent schlägt sich wacker und hier und da werden aus Unentschlossenheit klare Entscheidungen. Große Sicherheit erlangt man in diesem Berufsfeld einzig durch Erfahrung, dafür braucht es noch viele Drehsituationen wie diese.

    Außerdem helfen die Schauspieler, die hervorragend aufeinander eingespielt sind, durch eigene Vorschläge und Angebote mit, sodass die Szene am Ende glaubwürdig und rund erscheint.

     

    Späte Bewölkung

    Bis zum Abend hält sich die direkte Sonne hartnäckig, erst die letzte Einstellung kann dann endlich mit bedecktem Himmel gedreht werden, bis dahin musste weitgehend auf Wolken gewartet oder mit Abdeckfahnen gearbeitet werden.

    Bei der Einstellung in der Gesa am Boden hockt und ihren geöffneten Koffer wieder einräumt, wird das gleichmäßige, ja zu gleichmäßige Licht durch eine schwarze Abdeckfahne auf der einen Seite abgeschwächt, ein sogenannter "Negative Fill", der hilft, den gewünschten Kontrast zwischen Führungslicht und Aufhellung wieder herzustellen. Dadurch wirkt das Gesicht der Schauspielerin deutlich plastischer.

    Drehseminar

    Die Abdeckfahne rechts im Bild, sorgt dafür, dass die Aufhellung im Gesicht eine Blende unter dem Führungslicht (Reflektor) liegt

    Doch auch die heutigen Einstellungen gelingen und sind bis zum Sonnenuntergang abgedreht.

     

    Was war gut, was kann besser werden?

    Bei der abendlichen Feedback-Runde gibt es vor allem kritische Worte, weil zum Arbeitsbeginn um 7:30 außer dem Kameraprofessor nur zwei Studierende pünktlich waren. Alle anderen, selbst die wichtigsten Departments kamen deutlich verspätet am Drehort an.

    Wäre das Drehpensum hoch gewesen, hätte so etwas mit Sicherheit schwere Konsequenzen für die Qualität und/oder den Drehplan gehabt.

    Sicher stecken allen die langen Drehtage und das frühe Aufstehen in den Knochen, doch das ist später Alltag im Beruf und letztlich die einzige Chance, den reduzierten Tageslicht-Zeiten im Spätherbst noch sinnvolle Drehtage abzuringen.

  • Drehtag 7

    Letzter Drehtag

    Noch eine letzte Anstrengung liegt vor den Filmstudenten der m-hmk. Diesmal soll die Vorhersage recht behalten, bereits früh am Morgen regnet es und die ausgefeilte Auflösung mit langen Schienenfahrten muss zugunsten einer Drehsituation unter dem trockenen Dach eines Wartehäuschens aufgegeben werden.

    Kran

    Kranfahrt an Gleis 14 bei strömendem Regen mit Movietech-Movie-Jib Leichtkran

    Eine dennoch anspruchsvolle Kranfahrt mit dem Movie-Jib aus 2,50 Meter Höhe hinunter zu den sitzenden Protagonisten eröffnet die Szene, die am Ende des Drehbuches steht und die sehr emotional und eher leise gehalten ist.

    Glücklicherweise gibt es wenigstens Wartehäuschen auf dem ansonsten unüberdachten Bahnsteig. So kann man wenigstens die Schauspieler im Trockenen agieren lassen.

    Aus dem langen parallelen Gang wurde wegen der Wetterumstände ein Dialog auf der Bank im Wartehäuschen.

    Der Regen belastet das Team, die Temperaturen scheinen ebenfalls gefallen zu sein, es gibt Niemand, der nicht friert.

    Kurze Pausen um einen Kaffee im Imbissladen zu trinken, wirken zwischendurch wie Wiederbelebungsversuche. Das Team der Studenten arbeitet trotz des schlechten Wetters engagiert und nur teilweise unter Schirmen weiter. Denn die Schirme schützen zwar das Team, andererseits nehmen sie aber kostbares Himmelslicht weg, welches die Schauspieler dringend benötigen.

    Drehseminar

    Ohne Regenschutz für die Kamera geht gar nichts. Die Kranfahrt beginnt parallel zum Gleis in 2,50 Höhe und endet im Wartehäuschen auf ca. 60 cm Höhe

    Außerdem sind die meisten mitgebrachten Schirme knallbunt und würden unschöne Farbeffekte in den Gesichtern der Schauspieler hinterlassen. Wieder was gelernt- Wenn Schirme am Set, dann sollten diese transparent oder weiß sein!

     

    Regenschutz und Fernschärfe

    Die Kamera wird durch einen Regenschutz vor Wasser geschützt, der aber zugleich die Bedienung behindert. Das Sucherbild muss der Kamerastudent deshalb am Akku-betriebenen Videomonitor beurteilen.

    Da der Student, der heute die Schärfe zieht, nicht in 2,50 Metern arbeiten kann, wird die Schärfe mit Hilfe einer Kabel-Fernsteuerung mitgezogen.

    Leider vergisst die HVX 200 bei jedem Ausschalten wieder die vorher auf der Fernbedienung oder dem Schärfering am Objektiv gemachten Einzeichnungen. Schon erstaunlich, was sich die Hersteller so alles einfallen lassen, um preiswertere profitaugliche HD Kameras von den teuren Schulterkameras zu differenzieren.

    Drehseminar

    Die Schärfe wird per Fernbedienung gezogen

    Auch die Akkus scheinen die plötzliche Kälte nicht so sehr zu mögen. Heute muss deutlich öfter gewechselt werden. Und da kein Stromaggregat dabei ist, muss im Bahnhofsrestaurant das Ladegerät ans Netz gehängt werden. Der Produktionsleitungs-Student muss einmal mehr seine Überzeugungskraft beweisen.

     

    Sensible Regie

    Der Regiestudent des Tages arbeitet sehr intensiv mit den Schauspielern, blendet soweit es geht, das übrige Team aus und ist ganz nah bei seinen Filmfiguren. Die sogenannten Schauspielerregisseure sind aus diesem Holz geschnitzt. Sie rufen ihre Anweisungen nicht über das ganze Set, sie sprechen leise mit den Schauspielern.

    Vielleicht werden auf diese Weise nicht alle Informationen an das restliche Team weitergegeben, doch das tolerieren die Kollegen. Eine sensible, leise, hoffentlich berührende Szene entsteht.

    Der letzte Shot, eine Totale von den beiden Darstellern im Wartehäuschen, wird kurz bevor das Tageslicht gänzlich verschwunden ist, noch gedreht. Drehschluss und Abschluss des Drehseminars.

    Drehseminar

    Eine leise, der Szene angemessene sensible Regieführung bei der der Regiestudent vor allem als Spiegel der Schauspieler fungiert und immer wieder Hinweise und Vorschläge vorgibt
     

     

    Drehschluss und Party

    Die Besprechungsrunde am Abend fällt knapp und durchwegs positiv aus. Das ganze Team hat sich trotz widriger Witterung noch gesteigert. Alle sind erleichtert und machen sich mit vereinten Kräften ans Zusammenräumen des Equipments. Das Rückliefern hat man auf den nächsten Tag verlegt, schließlich ist für den Abend noch eine große Abschlussparty geplant. Dem Hörensagen nach soll diese bis in den frühen Morgen gedauert haben...

     

    Fazit

    Die kompakte und vor praktischer Anwendung nur so strotzende Lernerfahrung hat die Studierenden innerhalb von zwei anstrengenden und ihr Engagement fordernden Wochen um große Schritte voran gebracht. Ohne den Einsatz und Willen der Studierenden wäre dies nicht möglich gewesen.

    Der Dank der Studierenden, der Professoren und der m-hmk gilt den Schauspielern, die sich bereit erklärt haben, mit den Studierenden zu arbeiten, gilt der Firma Movietech, die einen Leichtkran ausgeliehen haben, gilt der Bahn, welche die Außenaufnahmen, der Hausverwaltung welche das Innenmotiv ermöglicht haben. Dank auch der Herstellungsleiterin, Doris Wedemeier, die im Hintergrund die Genehmigungen eingeholt hat und allen Anderen auch Eltern, die dazu beigetragen haben, das Seminar so erfolgreich durchzuführen.

    Nun sind alle gespannt auf die fertig geschnittenen Szenen, um über Schauspielführung, Licht und Kamera abschließend diskutieren zu können.

  • Film 1 mhmk

    Übungsfilm, die Erste

    Die Drehbuchdozentin, Nathalie Weidenfeld, und die beiden Professoren des Studiengangs "Film und Fernsehen" hatten ihre Filmstudenten bei der Entwicklung der Drehbücher seit Januar unterstützt. Im Mai nun war es an der Zeit, drei der Bücher filmische Realität werden zu lassen:

    Für die Szene in einem Krankenhaus-Aufzug muss der rückseitige Spiegel mit einer Matt-Folie überzogen werden, damit sich Scheinwerferlicht und Kamera nicht spiegeln.

    Für die Szene in einem Krankenhaus-Aufzug muss der rückseitige Spiegel mit einer Matt-Folie überzogen werden, damit sich Scheinwerferlicht und Kamera nicht spiegeln.

    Seit Wochen haben sie fieberhaft geplant, haben Auszüge aus ihren Drehbüchern gemacht, Drehpläne erstellt und Dispos vorbereitet. Für ihre ersten Übungsfilme haben die Filmstudenten des zweiten Semsters Locations gesucht, Drehgenehmigungen eingeholt und Schauspieler gecastet. Die Herstellungsleiterin der m-hmk, Doris Wedemeier, stand den Studierenden des zweiten Semesters bei ihren Vorbereitungen mit Rat und Tat zur Seite. Beim Dreh selbst werden die Studierenden von den Professoren sowie dem seit Jahren mit der m-hmk verbundenen Lehrbeauftragten, Max Plettau, betreut. Drei Kurzfilme sollen parallel entstehen, die vorhandenen zwei Dollys und Schienen müssen gerecht auf die drei Teams verteilt werden. Bei den Drehs machen die Filmstudenten wertvolle Erfahrungen, einige davon wollen wir hier festhalten:

     

    Klappe

     

    Für den Kurzfilm "Nächstenliebe" benötigt das Team einen Krankenhausfahrstuhl. Es ist ziemlich leicht nachvollziehbar, dass in einem echten Krankenhaus die Fahrstühle keineswegs für Dreharbeiten blockiert werden dürfen. Also entscheidet sich das Team, einen der beiden Aufzüge in der m-hmk für Filmzwecke zu missbrauchen. Um den Betrieb nicht zu sehr zu behindern, wird der Aufzug immer nur in Intervallen kurzzeitig blockiert.

     

    Lichtkonzept: Um Spiegelungen zu vermeiden, wird der Spiegel im Inneren des Fahrstuhls mit Mattfolie abgeklebt. Das Team ist bestens vorbereitet: Die Spezialfolie hinterlässt keinerlei Rückstände und ist leicht wieder abzuziehen. Als Lichtquelle dient eine Four-Bank-Fluoreszenzleuchte, die gleichzeitig den Gang beleuchtet (man soll sehen, wie die Hauptperson in den Aufzug einsteigt), als auch in den Aufzug hinein leuchtet. Die tatsächliche Treppenhausbeleuchtung wird ausgeschaltet, die Neonröhren würden einen unschönen Grünstich erzeugen. Fahrstühle sind zwar einfach strukturiert, dennoch bedarf es einigen Geschicks, für die Aufnahmen im richtigen Rhythmus den Aufzug ankommen zu lassen, Türöffnen und -schließen zum richtigen Zeitpunkt zu bekommen. Stephanie Olthoff, die Regiestudentin und Autorin des Drehbuchs, gibt ihren Darstellern, dem Mann einer todkranken Frau und dem Arzt, dem er im Aufzug begegnet, ihre Anweisungen.

    Ganz hinten hinter der Glastrennwand soll durch das obere rechte Fenster eine 1,2 KW Arri Daylight für eine

    Ganz hinten hinter der Glastrennwand soll durch das obere rechte Fenster eine 1,2 KW Arri Daylight für eine "Kante" sorgen.

    Am Nachmittag wird dann in einem echten Krankenhaus weitergedreht, ein Klinikum war so freundlich, einen Krankenhausgang zur Verfügung zu stellen. Der betreuende Professor bespricht mit den Kamerastudenten Manuel Stallforth und Francesco Luggeri das Licht. 

     

    Lichtkonzept: Hinter die Glastrennwand wird möglichst hoch oben eine 1,2 Kw Arri Daylight Stufe (mit CTO-Folie auf Kunstlicht gefiltert) aufgebaut und so geneigt, dass die Darsteller bei ihrer Szene auf dem Gang überall eine saubere Lichtkante bekommen. Die Grundidee, die Schauspieler ins Gegenlicht zu stellen und dann nur noch von vorn mit einem Führungslicht und ggf. einer Aufhellung zu arbeiten, wird beim Film häufig verwendet, auch in diesem Fall bewährt sich das Prinzip. Für die Aufhellung kommt wieder eine Four-Bank zum Einsatz, da diese mit ihrem weichen Licht nicht so weit leuchten, muss sie bis ganz knapp zum Bildrand herangeschoben werden.

     

    Wohnungen

    Schublade, aus der Zeitungsauschnitte quillen

    Der enge Wohnungsgang vor der Ausleuchtung und dem Abdecken mit Molton
     

    Das zweite Team, welches den Kurzfilm "Augenblick" umsetzt, muss den Drehplan wegen der Wetterbedingungen immer wieder anpassen. Bei schönem Wetter wird draußen gedreht, bei Regen geht es an die Innenszenen. Immer wieder schwierig ist es, Wohnungen als Drehort zu bekommen. Wer will schon gerne ein paar Tage lang aus der eigenen Wohnung ausziehen und statt dessen ein ganzes Team samt Darstellern dort herumwirbeln lassen? Kaum Jemand, der schon einmal ein Filmteam in der eigenen Wohnung erlebt hat, wird diese Erfahrung leichten Herzens wiederholen. Oft genug findet sich einfach keine Fremdlocation, so funktionieren die Studenten notgedrungen ihre eigene Bleibe zum Drehort um. Leider entsprechen diese dann nicht unbedingt den visuellen oder auch organisatorischen Notwendigkeiten. Plötzlich findet sich das Team in einer winzigen Neubauwohnung wieder, die Deckenhöhe ist gering, man kann von oben kaum Scheinwerfer nutzen. Jeder steht Jedem beim Aufbau im Weg herum. Es fehlen Räume, um das Equipment zu lagern, es fehlen Aufenthaltsräume für Team und Darsteller, irgendwie drängen sich alle in der Zwei-Personen-Küche oder im Motiv, einem schmalen Gang.

     

    Das Team ist erschöpft, die letzten Drehtage waren lang und es wird klar, wie wichtig eine straffe Setorganisation ist. Wenn man verschiedene Situationen parallel vorbereitet und baut, spart man kostbare Zeit. Da das Team klein ist, arbeitet Regiestudent Matthias Kahnt vor dem Eintreffen der Schauspieler beim Aufbau und Ausleuchten mit. Alle haben Doppelfunktionen übernommen, nur so lässt sich der Dreh stemmen.

    In dem engen Gang soll eine Kussszene gedreht werden, bei der von den Hauptdarstellern, Martina Schölzhorn und Normen Sonnleitner, nur Silhouetten vor einem angedeuteten Fensterkreuz-Schatten zu sehen sind.

     

    Lichtkonzept:Die gewünschte Nacht-Situation soll lediglich vom Licht einer Laterne oder des Mondes beleuchtet werden. Um diesen Effekt herzustellen, muss mit Hilfe einer harten Stufenlinse (Arri 1,2 KW Daylight) und einem mit Gaffer-Tape geklebten Kreuzes der Schatten eines Fensterkreuzes auf der linken Wand des Ganges abgebildet werden. Damit nicht unnötiges Streulicht trotzdem die Silhouetten aufhellt, müssen die anderen, nicht im Bild sichtbaren Wände sowie der Boden des Ganges mit schwarzem Mollton abgehängt werden. Da das künstliche Laternenlicht-Fensterkreuz aus der Kameraposition recht schmal ist, müssen die Schauspieler sehr genau ihre Positionen einhalten, damit die Silhouetten der Gesichter auch tatsächlich zu erkennen sind. 

     

    Kamerakonzept:Kamerastudent Moritz Rautenberg justiert sich per Farbbalken den externen Monitor genau, um sicher zu gehen, dass ihn das Display der HVX 200 HD Kamera nicht täuscht. Zusätzlich misst er mit dem Belichtungsmesser die Helligkeit im simulierten Laternenlicht und achtet darauf, dass die Köpfe der Schauspieler 2-3 Blenden unterbelichtet sind. Wichtig ist bei Nachtsituationen: Es gibt Bildteile, die richtig belichtet sind. Bloß nicht die Blende an der Kamera nach Geschmack zumachen, bis das ganze Bild unterbelichtet ist! Es ist vor allem das Licht-Schatten-Verhältnis und die Lichtrichtung, welche Nacht signalisieren, nicht Unterbelichtung. Wenn man die ganze Szene dunkler machen möchte, kann man das dann in der Postproduktion mit der Farbkorrektur tun. 

     

    Weil man während des Drehtages großzügige Pausen gemacht hat und auch die Schauspieler nicht durchgängig Zeit hatten, wird es auch an diesem Drehtag spät. Filmstudent Micha Kaiser, der die Aufnahmeleitung übernommen hat, schickt die Dispo für den nächsten Tag erst um Mitternacht per Mail an das Team.

     

  • Workshop 2013

    Mit Filmstudierenden on location drehen gehen, gehört zu den erfolgreichsten Lehrinhalten überhaupt. Wie läuft so etwas ab?