Technische Umwälzungen

Der Weg von einfachen Holzkameras mit Luftbildsucher hin zu Spiegelreflexsystemen wurde vor allem durch eine Münchner Firma geprägt: Arri. Sie wurde gegründet von August Arnold und Robert Richter, deren erste Buchstaben der Nachnamen den Firmennamen generierten, und feiert im September 2017 ihr 100 jähriges Bestehen.

 

Lange Jahre lang zeigten die Filmkameras das aufgenommene Bild nur durch Sucher, die sich neben oder oberhalb des Objektivs befanden. Der damit verbundene Paralaxenfehler machte sich insbesondere bei Personen, die nah vor der Kamera standen, störend bemerkbar. Andere Kameras hatten auf der Rückseite eine kleine Öffnung, durch welche die Kameraleute rückseitig durch das Filmmaterial ein schemenhaftes Bild erkennen konnten. Die Kameraleute mussten ein schwarzes Tuch über sich hängen, damit keine ungewollte Belichtung stattfand.

 

Arri 35 IIC

Arriflex 35 II C

 

Arri 35 II

Erich Kästner hieß der Chefkonstrukteur der Firma Arnold und Richter, dem 1937 eine technische Revolution gelang- die erste Spiegelreflex Filmkamera der Welt zu konstruieren. Seine Erfindung, die verspiegelte Umlaufblende erlaubte es, im Lauf und im Stand der Kamera das gleiche Bild, welches auf Film aufgenommen wurde, auch im Sucher zu betrachten. Diese Erfindung führte zur Arri IIa.

 

Schmalfilm für Profizwecke

1949 entwickelte Kästner für den 16mm Bereich die Arri 16 ST, die erste professionelle 16mm Kamera. Sie besaß bereits ein Revolver-Bajonett, damit konnte man drei Festoptiken an der Kamera anbringen und innerhalb von Sekunden durch Drehen des Revolver-Bajonetts wechseln.

 

Da die Kameras damals noch sehr laut waren, entwickelte Kästner für die 35 IIb damals eine Art Schallschutzummantelung, den sogenannten Kamerablimp. Dieser war schwer, riesig und machte die Kamera für Handkamera ungeeignet. Aus der Hand konnte man nur stumm bzw. mit lautem Kamerageräusch drehen.

 

 

Auch die 16 St wurde leise, man baute um sie herum ein geblimptes Gehäuse- so entstand die Arri 16 BL. Die BL war eine sogenannte selbstgeblimpte Kamera, also keine laute stumme Kamera, die mit einem externen Schallschutz-Blimp leiser wurde, sondern eine deren Außengehäuse bereits der Blimp war. Allerdings war das Kamerageräusch, ein leises Rattern, in Innenräumen trotzdem hörbar.

 

Schwergewicht

 

Wie beinahe alles in der damaligen Zeit waren auch die Arri 16 BL sowie später die Arri 35 BL äußerst robust gefertigt. Das machte sie aber nicht nur stabil und zuverlässig, es machte sie auch schwer. So konnte man sie natürlich nicht als "Handkamera" sondern nur als Schulterkamera nutzen. Das hatte natürlich auch Einfluss auf die Bildgestaltung. Aber da es damals noch keine Videoausspiegelung oder kleine Displays gab, musste man ohnehin durch den Kamerasucher schauen und war damit gezwungen, wenn man kein Stativ oder Dolly benutzte, die Kameras auf der Schulter zu tragen.

 

Arri wird leichter und kompakter

Kameramann Stefan Spreer an der Arri 16 SR II  (Dreharbeiten zu "Midsommar-Stories", Allary-Film, Tv & Media)

 

Nachdem andere Kamerahersteller wie Eclair, Aaton und Beaulieu kleinere und leichtere Kameras für 16mm auf den Markt brachten, kam auch Arri mit der Arri SR 16 diesen Tendenzen entgegen. Die Kamera besaß vieles von dem, was sich Kameraleute zu der Zeit wünschen konnten. Sie war kompakt, die Anordnung der Filmrollen in der Kassette war nebeneinander, wodurch die Kamera im Ganzen viel kompakter wurde. Man musste auch nicht mehr eine Filmschleife von der Kassette ins Gehäuse der Kamera ziehen und mit Zahnrädern am Bildfenster einlegen. Es genügte, die Kassette mit dem frischen Filmmaterial einzulegen und kurz auf den Hebel für automatisches Einfädeln zu drücken.

 

Auch die Sucherlupe konnte man nun schwenken, wodurch man auch von oben in das Okular (Kamerasucher) schauen konnte, bei den Arri BLs war sie noch starr. Um die schwenkbare Sucherlupe gab es Jahrelang einen Rechtsstreit mit Aaton, die ebenfalls eine schwenkbare Sucherlupe anboten. Bessere und leichtere Motoren zeichneten dann neben anderen Verbesserungen die Modelle SR II und III aus.

 

Zukunft der Kamera

Weitere verbesserte Kameras für analogen Film wurden entwickelt, wie die Arri SR III, die Arri 435, die Arri 416 usw. Allesamt hervorragende Filmkameras mit modernsten Schnittstellen für die Ansteuerung, die allerdings von der technischen Entwicklung eingeholt wurden. Zum Glück hat Arri parallel auch an digitalen Kameras weiterentwickelt und heute mit den Alexas und Amiras ebenbürtige digitale Profikameras im Angebot, die dem Münchner Hersteller förmlich aus den Händen gerissen werden.

 

Wir wünschen Arri viel Glück für die nächsten 100 Jahre!