Es ist ein Zauberwort und macht Hoffnung, wo Redaktionen und Förderungen unerreichbar erscheinen oder besondere Themen trotzdem eine Chance bekommen sollen. Die Idee,- wildfremde Menschen lassen sich für eine Filmidee so sehr begeistern, dass sie durch Geldbeträge helfen, den Film zu ermöglichen. Seit mehr als einem Jahrzehnt werden Projekte über Online-Plattformen promoted und ihre Finanzierungsziele öffentlich ausgeschrieben. Online-Counter zählen die erzielten Beträge zusammen und machen praktisch permanent den Stand der Finanzierung sichtbar.

 

Die Zahl der Plattformen für Crowdfunding, oder auf gut Deutsch Schwarmfinanzierung, ist gewaltig, zu den größeren Plattformen für Kreative gehören Startnext, Cinedime, Indiegogo, Wemakeit, kisskissbankbank, YouCan oder Visionbakery.

 

Die Plattform gewinnt immer

Die Plattformen boomen nicht zuletzt deshalb, weil sie mit den Hoffnungen auf Finanzierung gutes Geld verdienen. Die Gebühren schwanken, bei Kickstarter etwa waren es die letzten Jahre fünf Prozent der Einnahmen, sowie in etwa noch mal so viel für Amazon, der als Zahlungsdienstleister Gebühren nimmt. Zehn Prozent des erzielten Betrage gehen also wieder verloren.

 

Auf Kickstarter kann man für praktisch Alles, aber eben auch für Filme, Geld einsammeln. (https://www.kickstarter.com/discover/categories/film%20&%20video?ref=footer)

 

Hier werden recht viele Filmprojekte eingestellt, doch längst nicht jede Story liest sich wirklich so gut, dass man diese Filme unbedingt sehen möchte. Letztendlich geht es ja darum, bei den potentiellen Spendern Neugierde, Vertrauen und den Wunsch zu erzeugen, diesen Film auch wirklich anschauen zu können.Die Zahlen der Unterstützer schwanken zum Teil sehr. Es gibt Projekte, die von 600, andere die von 1500 Unterstützern mitfinanziert wurden. Und manche gehen einfach unter.

 

Hilfreich ist, wenn einzelne Filme vom Kickstarter Team zu "Team Favoriten" erkoren werden, diese werden dann besser promoted als andere. Erfolgsgeschichten von Kickstarter sind etwa Titel wie "Monkey Business", "A Woman, A Part", "Thank you for playing" u.v.a.

 

Relativität

 

Doch gerade bei kleinen, oft Nachwuchs,- oder Filmstudentenprojekten werden die Beträge mehrheitlich durch Familienangehörige und Freunde aufgebracht, das Crowd-Funding ist hier eigentlich nur ein Umweg, die eigenen Verwandten und Freund nicht direkt um Geld bitten zu müssen.

 

Wenn man Menschen direkt oder über Social Media anspricht, wirkt man irgendwie bedürftig, erscheint das Vorhaben wie ein Sozialfall. Die Plattformen verhelfen dem Vorhaben zu einem professionellerem Äußeren, welches nach möglichem Erfolg "riecht".

 

Obwohl in zusammenhang mit Nachwuchsprojekten viel darüber geredet wird, kommt in Europa doch nur wenig Geld auf diese Weise zusammen. Gescheiterte Vorhaben werden auf den Plattformen extrem schnell unsichtbar gemacht, sodass man stets den Eindruck großer Erfolgschancen bekommt.

 

Nicht zu übersehen ist auch eine gewisse Crowd-Funding Müdigkeit. Es gibt mehrere zehntausend Webseiten, die beim Begriff "Crowdfunding" in den Suchmaschinen angezeigt werden. Zu viele Projekte waren lauwarm, unerfolgreich oder gar dilettantisch. Zu viele Projekte kommen gar nicht zustande, weil der avisierte Betrag nicht zusammen kommt. Und ab und an sind auch schon Initiatoren mit dem Geld einfach abgehauen ohne einen Film zu realisieren.

 

PR ist alles

Das Werkzeug des Crowd-Funding an sich ist sicherlich interessant, doch es funktioniert nur, wenn man auch gefunden wird. Sprich: Man muss enorm viel dafür tun und auf allen Tastaturen des Social Media Marketings spielen, damit eine genügend große Anzahl von Menschen auf der Crowd-Funding Seite landet und sich für das eigene Projekt auch interessiert. Der Aufwand, dies zu erzielen ist sehr hoch, es gibt nicht Wenige, die berichten, dass sie, wenn sie die Zeit die sie zum Promoten ihres Crowdfunding-Projektes investiert haben, in einen Nebenjob gesteckt hätten, wäre mehr Geld zusammen gekommen.

 

Gegenleistungen

Wenn es sich bei der Finanzierungsaktion nicht gerade um ausdrückliche Spenden handelt ("Crowddonating"), sondern um echtes Crowdfunding, werden eigentlich stets Gegenleistungen erwartet.Fotos, Autogramme, Setbesuche, Filmplakate, DVDs, BluRays und mehr gehören zu den üblichen Werkzeugen, solche Projekte als lohnend erscheinen zu lassen.

 

Nicht selten versprechen die Projektinitatoren Geschenke an die Spender, welche einen großen Teil der gesammelten Gelder wieder aufbrauchen. Hier sollte man sehr genau kalkulieren, was möglich und sinnvoll ist. Wer T-Shirts mit Filmmotiven verspricht, sollte vorher zumindest mal kalkuliert haben, was deren Herstellung, Verpackung und Versand kosten werden.

 

Zumeist kleine Projekte

In der Realität gibt es neben einigen wenigen erfolgreichen Fan-Projekten wie "Iron Sky" überwiegend kleine Projekte. Da ist dann beispielsweise die Filmemacherin aus Österreich, welche von der Crowd finanziert, ein paar Wochen durch Island wandert und den Spendern Postkarten, Tagebucheinträge und später ein selbstgedrehtes Video "schenkt".

 

Kleine Unschärfen

So manches Projekt, welches "Crowd-Funding" als hippe Finanzierungsform in seiner PR feiert und gerne als Erfolgsstory des Crowfunding herhalten muss, verschweigt auch gerne Teilaspekte der Finanzierung. Hotel Desire von Teamworx etwa weist zwar 170.000 Euro aus, welche angeblich über Crowdfunding zusammenkamen, aber ein Teil des Geldes waren Mindestgarantien etwa von Videoload, wie Sascha Schwingel seinerzeit auf den Medientagen einräumen musste.

 

Für finanziell eher gut aufgestellte Produktionsfirmen ist Crowd-Funding eher ein Marketingvehikel, denn ein echtes Finanzierungsinstrument.

 

Andere Varianten

 

Längst nicht alle Projekte werden auf der Basis von Spenden gegen kleine Geschenke realisiert. Gerade die eher kommerziellen Projekte versprechen den Geldgebern Gewinnbeteiligungen. Diese machen natürlich für die Mini-Finanziers nur dann Sinn, wenn der Erfolg absehbar ist.

 

Die Filmproduktion Brainpool konnte etwa für eine Kinoversion der Serie "Stromberg"-eine Million Euro generieren, die Fans sollten dafür am erhofften Gewinn des Projekts beteiligt werden. In einem solchen Fall handelt es sich aber eher um "Crowdinvesting". Der übrige Teil der Produktionskosten kam klassisch über den Verkauf von Fernseh,- und anderen Rechten zusammen. Klugerweise sammelte man das Geld auch nicht über eine der gängigen Crowd-Funding Plattformen ein, sondern über eine eigene Seite mit dem Titel MySpass. Da die Serie Stromberg auf ProSieben ein Riesenerfolg war und es eine Fangemeinde gab, war der Erfolg nahezu vorprogrammiert.

 

Allerdings wäre es naiv, als Newcomer ohne derartige Popularität "Stromberg" für sein Independent Filmprojekt als Vorbild zu betrachten. No-Names haben auch so gut wie "No-Chancen" auf höhere Budgets.

 

Schwierigkeiten inklusive

Überall, wo es um Geld geht, gibt es Interessensgruppen, die davon profitieren wollen. Ganz so basisdemokratisch, spontan und  gutmenschlich geht es auch in der Welt des Crowdfundings nicht zu. Neben den bereits erwähnten gebühren, welche die Plattform und der Finanzdienstleister einkassieren, gibt es weitere Player, die beim privaten Finanzieren die Hände aufhalten...

 

Je mehr man über die Spielregeln des Crowdfundings weiß, desto besser die Chancen, dass man auch wirklich ohne allzu große Hindernisse seine Filmfinanzierung auf die Beine stellen kann.

 

Stolperfalle Finanzamt

Was Initiatoren gerne übersehen,- wenn man nicht gerade ein eingetragener Verein ist und als Einzelperson oder auch Firma die Absicht hat, den so finanzierten Film auch zu vermarkten...

 

Zum Weiterlesen: Auf den Movie-College Plus-Pages gibt es weitere Infos zum Crowdfunding und steuerlichen und rechtlichen Aspekten